Wie kam Buddhismus nach Mongolei?

Die größte Glaubensrichtung in der Mongolei war und ist der tibetische bzw. tantrinsische Buddhismus. Es war jene Form der Lehre Buddhas, die im Gegensatz zum Zen-Buddhismus (in China und in Japan stark vertreten), zum nestorianischen Christentum wie auch zum Taoismus und Sufismus den religiösen Vorstellungen und Bedürfnissen der mongolischen Lebensweise der Nomaden am ehesten entsprach und vom einfachen Volk akzeptiert zu werden. Die Mongolen scheinen vom tibetischen Buddhismus vor allem deshalb überzeugt gewesen zu sein, weil er besonders geschickt den traditionellen religiösen Alltagsbedürfnissen entgegenkam, indem er das einheimische und religiöse Brauchtum samt den damit verbundenen Vorstellungen in das hochreligiöse System integrierte. Die archäologische Zeugnisse früherer buddhistischer Kulturen deuten auf jenem Territorium, auf welchem sich im 12. und 13. Jh. das mongolische Volk herausgebildet hat. Insbesondere war ein großer Teil der türkischen Uighuren, von denen die frühen Mongolen die Schrift und die damit verbundenen Bildung übernommen hatten, buddhistisch. Es waren die Uighuren, nicht die Tibeter oder Chinesen, durch deren Vermittlung die Mongolen den Buddhismus kennenlernten.

Die erste Blütezeit des Buddhismus

Dalai Lama

Der Großkhan Tschingis war in der Wirklichkeit noch kein Buddhist, wobei er die alle Glaubensrichtungen seiner Herrschaften duldete. Neben Schamanen, Taoisten, nestorianischen Christen und katholischen Missionaren haben sich auch Buddhisten an den Mongolischen Hof angesiedelt. Als die Nachfolger Tschingis Khans vor der Notwendigkeit standen, ihrer Herrschaft durch die Einführung einer Hochreligion eine tragfähige ideologische Grundlage zu geben, entschieden sie sich für den tibetischen Buddhismus. Am Hofe von Tschingis Khans Sohn und Nachfolger Ögedei (1228-1241) und dessen Sohn Khubilai Khan (1260-1294) erlebte der Buddhismus seine erste Blütezeit in Karakorum, der von Ögedei im Jahre 1235 gegründeten Hauptstadt des Mongolenreiches. Während der Zeit der ersten Verbreitung der Lehre bei den Mongolen im 13. und 14. Jh. sind bereits auch viele buddhistische Texte aus dem Tibetischen ins Mongolische übersetzt worden, obwohl der Buddhismus noch keinen größeren Teil des Reichs erfasst, vermochte er es immerhin, sich über das gesamte von den Mongolen eroberte Territorium zu verbreiten, bis zum Iran und bis zum Reich der Goldenen Horde in Russland.

Die zweite Bekehrung der Mongolen

Als im Jahre 1368 die Herrschaft der Mongolen in China gestürzt wurde, begannen für den tibetischen Buddhismus in China wie im mongolischen Stammland schwere Zeiten. Zwar erlosch die Flamme der Religion des Buddha während der langen Periode der nachfolgenden Kriege der mongolischen Stämmen nicht völlig, doch erst im späten 16. Jh. leuchtete sie wieder auf. Die sogenannte "zweite Bekehrung" der Mongolen ist eng mit zwei ostmongolischen Fürsten verknüpft: mit Altan Khan, Herrscher des Tümet-Stammes in der Südmongolei und mit Abtai Khan, Herrscher des Chalcha-Stammes in der Nordmongolei. Gemeinsam haben sie das ehrgeizige Ziel gesetzt, unter ihrer Führung den früheren mongolischen Einheitsstaat wiederzuerrichten. Es gelang ihnen, die mongolische Position gegenüber dem China der Ming-Dynastie (1368-1644) wieder zu festigen. Da ihnen zur Unterstützung ihres Vorhabens die Volksreligion als Instrument politischer Macht offensichtlich ungeeignet erschien, suchten sie gezielt nach einer organisierten Hochreligion. Wieder bot sich hierfür der tibetische Buddhismus an und der Oberhaupt Sodnomjamts (1543-1588) der Lamas in Tibet seinerzeit in den Mongolen einen potenziellen Verbündeten sah. Kloster Erdene Zuu in Karakorum
1577 reiste der geistigen Oberhaupt der tibetischen Buddhismus Sodnomjamts in die Südmongolei und traf dort im Jahre 1578 mit Fürst Altan zusammen, der ihm den Titel "Dalai Lama" verlieh und den tibetischen Buddhismus zur offiziellen Staatsreligion erklärte. Die Begegnung von Dalai Lama mit Fürst Abtai der Chalcha hat auch in dieser Zeit stattgefunden. Abtai erbeute 1586 am Orte der alten Hauptstadt Karakorum als religiöse Zentrum im Mittelpunkt seines Herrschaftsgebiets das Kloster "Erdene Zuu".
Am Anfang des 17. Jh.s begannen tibetische und mongolische Missionare, den Buddhismus weiter in die West- und Nordmongolei zu verbreiten. Die westmongolischen Oiraten nahmen den Buddhismus nach Rußland mit, als ein Teil von ihnen im gleichen Jahrhundert zwischen Wolga und Donau auswanderte. Etwa in der gleichen Zeit hatte Buddhismus auch die türkischen Tuwinern am Norden der Mongolei Fuß gefasst und dadurch gelangte es auch weiter zu den Burjaten am Baikalsee etwa um 1700. So kam es, daß als Folge der "zweiten Bekehrung" schließlich fast alle Mongolen buddhistisch wurden.

Der Niedergang

1911 wurde der geistige Führer des Landes, der achte Bogd-Gegeen, wurde als konstitutioneller Monarch anerkannt. Durch kommunistischen Volksrevolution von 1921 gerieten die Buddhisten zunehmend unter Druck. Durch den stalinistischen Terror in den Jahren 1937 und 1938 wurden insg. 760 Klöster bis auf die wenigen vollständig vernichtet und tausende Mönche wurden als "Konterrevolutionäre" exekutiert.
Offiziell wurde die Duldung des Buddhismus auch nach den politischen Lockerungen im sozialistischen Regim der 80er Jahren. Nach der demokratischen Wende veränderten sich die Rahmenbedingungen des sozialen Lebens rasch. Es wurde schnell bemerkbar, dass die buddhistische Glaube bei den Mongolen trotz staatlicher Unterdrückung und Unakzeptanz der Religion immer noch fest verwurzelt war. 1996 trat die neue demokratische Regierung erstmal für Religionsfreiheit ein. Hier begann die "dritte Bekehrung" der Mongolen in der Geschichte.

Kloster Gandan

Kloster "Gandan" , das 1809 gegründet wurde, liegt nicht nur am Herzen der Hauptstadt, sondern ist das Zentrum der heutigen Gläubigen und dient zur geistigen Akademie der buddhistischen Lehre in der Mongolei. Migjid Janraisig, eine 30 Meter hohe vergoldete Statue des tibetischen Schutzherren, dessen 14. Reinkarnation der Dalai Lama ist. Das Original der Statue wurde 1938 von den Russen demontiert. Durch Bürgerinitiativen und Spendengeldern haben die Mongolen in fünf jähriger Bauzeit eine exakte Kopie des Heiligtums hergestellt.



Literaturhinweis:

  • Sagater,K. Bonn (1989): Der Buddhismus bei den Mongolen. In: Heissig/Müller (Hrsg.) (1989): Mongolen. Innsbruck, Pinguin Verlag / Frankfurt a. Main, Umschau Verlag

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